Am 26./27. November 2018 veranstaltete das durch das BMBF geförderte Projekt Göttingen Research Data Exploratory (GRAcE) in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen der Universität zu Köln, Philipps-Universität Marburg, Universität Bielefeld, Technischen Universität Dresden und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel einen Workshop zum Thema Forschungsdatenmanagement (FDM) und Forschungsdateninfrastruktur in DFG-Sonderforschungsbereichen (SFBs). Es nahmen ca. 55 Personen teil, die insgesamt 32 verschiedene SFBs vertraten. Diese deckten ein breites Fächerspektrum ab.  

Professionelles und nachhaltiges Forschungsdatenmanagement und der Aufbau und Betrieb von entsprechenden Infrastrukturen stellen große Forschungsverbünde vor besondere Herausforderungen. 2007 wurde für SFBs mit dem Teilprojekt Informationsinfrastruktur (INF) ein neues Instrument eingeführt, das gezielt der Bearbeitung damit zusammenhängender Aufgaben dient. Zum Teil werden FDM-Aktivitäten und Infrastrukturaufbau aber auch im Rahmen anderer Teilprojekte, etwa Zentraler Verwaltungsprojekte (Z) oder Wissenschaftlicher Serviceprojekte (S) betrieben (im Folgenden werden SFB-Teilprojekte, die sich mit Datenmanagement und Infrastrukturaufbau und -betrieb beschäftigen in ihrer Gesamtheit als Datenmanagement-Teilprojekte bezeichnet). Wie die Ziele und Aufgaben eines solchen Teilprojektes sich konkret gestalten, hängt vom jeweiligen Projektkontext und den daraus resultierenden Anforderungen ab und kann je nach Projekt unterschiedliche Schwerpunkte und Charakteristika aufweisen. Gleichwohl lassen sich zentrale Themen identifizieren, mit denen sich alle Datenmanagement-Teilprojekte auf die eine oder andere Weise auseinandersetzen müssen. Hierzu gehören beispielsweise die Einbettung des Datenmanagement-Teilprojektes in den Gesamt-SFB, die Definition der Aufgaben und Rollen sowie der benötigten Kompetenzen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Datenmanagement oder der Umgang mit heterogenen Daten, Forschungskulturen und Anforderungen aus den verschiedenen wissenschaftlichen Teilprojekten – um nur einige zu nennen.

Vor diesem Hintergrund sollte der Workshop den Datenmanagement-Teilprojekten der SFBs ein Forum bieten, in dem sie die Arbeit und die Lösungen anderer Datenmanagement-Teilprojekte kennenlernen, Erfahrungen austauschen, relevante Aspekte diskutieren und Kontakte knüpfen konnten. Dazu gab es reichlich Gelegenheit bei einer Poster-Session und einem World-Café. Die Poster-Session wurde von einer Minute-Madness eingeleitet, in der die teilnehmenden SFBs jeweils in einer Minute ihr Datenmanagement-Teilprojekt vorstellten. Beim World-Café wurde angeregt zur konkreten technischen Implementierung, Best Practices, Failures and Major Issues sowie zur Nachnutzung von INF-Ergebnissen diskutiert;  die Ergebnisse wurden anschließend im Plenum zusammengetragen.

Das Programm wurde abgerundet von einem Grußwort von Prof. Norbert Lossau, Vizepräsident für Infrastrukturen der Georg-August-Universität Göttingen, gefolgt von Brit Redöhl von der DFG, die über das Datenmanagement in Sonderforschungsbereichen aus Sicht der DFG sprach, und von Dr. Jan Brase von der SUB Göttingen, der über seine Erfahrung als Gutachter von INF-Projekten berichtete. Zudem wurden die Ergebnisse einer Befragung vorgestellt, die im Vorfeld des Workshops unter den Teilnehmenden durchgeführt wurde und in der vier offene Fragen zur Verortung der Datenmanagement-Teilprojekte innerhalb des Gesamt-SFB, ihren Herausforderungen in der praktischen Arbeit, den eingesetzten Technologien und Policies sowie den zur Verfügung stehenden Mitteln gestellt wurden. Insgesamt haben sich 20 SFBs an der Befragung beteiligt. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, geben aber nichtsdestotrotz einen interessanten Einblick in die gegenwärtige Praxis des Datenmanagements in Sonderforschungsbereichen. So zeigte sich beispielsweise, dass neben dem Aufbau und Betrieb einer Plattform für die zentrale Speicherung und den Austausch der im SFB erhobenen Daten, die in 18 der 20 an der Befragung teilnehmenden SFBs eine Rolle spielen, die Beratung und Unterstützung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie die Organisation von Workshops und Schulungen zum FDM mit 15 bzw. 12 Nennungen zu den am häufigsten genannten Aufgaben gehören. Weiterhin präsentierte das GRAcE-Projektteam Zwischenergebnisse zum Ressourcenbedarfsermittlung für das Forschungsdatenmanagement sowie der Anpassung spezifischer Infrastrukturlösungen an andere Kontexte. 

Die Poster und Vortragsfolien sind unter https://data.gro.uni-goettingen.de/dataverse/GRAcE zugänglich. Eine ausführliche Veröffentlichung der Workshop-Ergebnisse in Form mehrerer Artikel in der Online-Zeitschrift Bausteine Forschungsdatenmanagement (https://bausteine-fdm.de/) ist in Vorbereitung.